08.03.2011: Leidenschaft Frauenfußball

Eine Frau als Häuptling

Walsrode. „Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt...“ Jeder kennt das Lied von der Fußballweltmeisterschaft von 1974.
Doch was wäre, wenn nicht der Fußball, sondern eine Frau mal an der Spitze stehen würde?

Kick it like Oda Haupt

 

Oda Haupt ist Betreuerin, Trainerin, Managerin und gute Seele der Frauenmannschaft von Teutonia Uelzen, die in der Bezirksliga spielt. Im Rahmen der Themenwoche „Kick it like wo-(men)“ der ver.di-Bildungsstätte Walsrode erzählt Oda Haupt etwas über die Rolle der Frau in der harten Männerdomäne Fußball und spricht dabei in einem Seminar über eigene Erfahrungen und Erlebnisse. Als Unterstützung hatte sie eine Spielerin ihres Vereins mit im Gepäck, Kerstin Barge, der Nachwuchsstar der Mannschaft.

 

Schon von der Pieke auf ist Oda Haupt leidenschaftliche Fußball- und Handballspielerin. Für sie war es eigentlich nie schwer, sich gegen männliche Betreuer oder Vorsitzende ihres Fußballvereins durchzusetzen. Sie wuchs in die Strukturen hinein und war schon früh im Vorstand ihres Vereins tätig. Überall wurde sie akzeptiert und respektiert. „Beim Fußball kommt es eben auf das Können an und nicht auf das Geschlecht“, erzählt Kerstin Barge.

 

Schicksal schweißt zusammen

 

Der richtige Ton macht es eben - und den hat Oda Haupt auf jeden Fall getroffen. Seitdem ihr Mann und ehemaliger Trainer von Teutonia Uelzen vor einem Jahr verstarb, nahm sie nahtlos die Rolle ihres Mannes in der Mannschaft ein. „Das Schicksal hat uns zusammengeschweißt und ohne die Mädchen und ihren Rückhalt würde ich heute nicht stehen, wo ich stehe“, erklärt Oda Haupt. Auch die Familienstruktur des Vereins, beim dem ein großes Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Trainer herrscht, und die gute Mannschaftsatmosphäre sind Gründe, warum auch Kerstin mit soviel Leidenschaft beim Fußball dabei ist.

 

Wo bleibt die Leidenschaft?

 

„Die Leidenschaft und Fußballverrücktheit fehlt jedoch bei vielen Mädchen, da sie nicht die gebührende Unterstützung vom Elternhaus bekommen“, bemängelt Oda Haupt. Daher steckt sie ihre ganze Energie in die Jugendarbeit und Sportförderung ihrer Enkel und Spielerinnen. Ihr liegen diese eben genauso am Herzen wie der Fußball selbst und sie ist froh, ihre uneingeschränkte Fußballverrücktheit an andere weitergeben zu können. Sie scheut keine Mühen, viel Zeit und Engagement in den Fußball zu investieren. Niemals habe sie an ihrer Kompetenz gezweifelt, denn sie ist der Meinung: „Was die Männer können, können wir Frauen schon lange.“ Und dies beweist sie in ihrem Amt als Trainerin jeden Tag aufs Neue.


(Von Friederike Plesse)